Last updated: 27 Aug 26 19:05:00 (UTC)
Patent Tools for Microsoft Word
Patent Tools für Microsoft Word
Das Einfügen von Bezugszeichen in Patentansprüche gehört zu den Nebentätigkeiten eines Patentanwalts, bei denen Automatisierungsbedarf besteht.
Existierende Softwarelösungen kommen meist aus dem englischsprachige Raum und tun sich bereits mit den deutschen Flexionsendungen schwer, ganz zu schweigen von schwierigeren Fällen, wo zum Beispiel das zu verwendenden Bezugszeichen von einem Adjektiv vor dem Nomen abhängt oder sogar einfach vom Kontext, das heißt von dem Ausführungsbeispiel, auf dem der jeweilige Patentanspruch basiert.
In Zeiten von KI sollte das Problem lösbar sein, und was wäre einfacher, als einer KI zu sagen: Hier ist meine Patentanmeldung, füge bitte die Bezugszeichen in die Ansprüche ein?
Nun, ganz so einfach ist die Sache nicht. Ein derart kurzer Prompt mag mit Frontier-Modellen und einem Harness wie Claude Cowork funktionieren. Erstens aber entgleitet dem Benutzer bei diesem Verfahren die Kontrolle: Was genau tut das Modell da mit meinen Ansprüchen? Zweitens können öffentliche Frontier-Modelle nicht verwendet werden, wenn der Patentanmeldetext noch gar nicht offengelegt ist. Und drittens, selbst wenn es funktioniert, so ist dieser Vorgang erstaunlich aufwendig und verbraucht eine hohe Anzahl teurer Tokens.
Versuche mit einer lokal gehosteten KI auf einer durchaus leistungsstarken Entwicklerhardware haben bestätigt, dass das Einfügen von Bezugszeichen viel mehr Grips, sprich Tokens, verbraucht als gedacht und dass gängige Edge-Modelle aktuell noch Schwierigkeiten haben, den Cursor von Word zu steuern und präzise Änderungen innerhalb eines offenen Word-Dokuments vorzunehmen, besonders wenn das in noch zumutbarer Zeit passieren soll. Im Unterschied dazu sind selbst kleinere Edge-Modelle auf Transformer-Basis schon erstaunlich gut darin, Text aus ihrem Gedächtnis (dem Kontextfenster) wortgetreu zu reproduzieren und dabei angewiesene Änderungen vorzunehmen. Je niedriger die Temperatur, desto exakter die Reproduktion. Genau das ist es, was typische Coder-Modelle tun, wenn sie Quellcode editieren.
Hier setzen die Patent Tools für Microsoft Word an. Es handelt sich um ein VBA-Plugin für Microsoft Word, das mit OpenAI-kompatiblen Modellen interagieren kann. Dieser könnte von Ollama oder LM Studio auf dem eigenen Rechner, einem llama.cpp- oder VLLM-Server im eigenen LAN, einem Modell auf OpenRouter oder Hungging Face bereitgestellt werden. Alternativ kann auch der APi-Endpunkt von OpenAI bzw ChatGPT selbst eingetragen werden.
Der Gedanke ist dieser: Die Patent Tools senden den gesamten Anmeldetext an das LLM und bitten um Erstellen einer Bezugszeichenliste. Diese kann vom Anwalt sodann geprüft und ggf. mit Hinweisen in natüriicher Sprache versehen werden, wie in schwierigen Fällen in welchem Falle welche Bezugszeichen zu verwenden sind. Auch das LLM selbst kann beim Erstellen der Bezugszeichenliste bereits solche Hinweise integrieren.
Sodann senden die Patent Tools nur die Patentansprüche (diese muss der Benutzer zuvor in Word markieren) sowie die vom Anwalt freigegebene Bezugszeichenliste an das LLM und bittet um Reproduktion der Ansprüche mit integrierten Bezugszeichen.
Die Ausgabe des LLM wird jedoch nicht blind übernommen, da sie ggf. geänderte Schreibweisen, Halluzinationen oder andere nicht-deterministische Artefakte enthalten könnte. Stattdessen implementieren die Patent Tools für Microsoft Word einen Fuzzy-Algorithmus, bei dem die Modellausgabe Absatz für Absatz und Wort für Wort mit den ursprünglichen Ansprüchen verglichen wird, aus diesem Vergleich auf rein programmatischem Wege für jedes von dem LLM eingefügte Bezugszeichen die korrekte Einfügungsposition in Word ermittelt wird und sodann das Bezugszeichen im Änderungsmodus in das im Übrigen unveränderte Word-Dokument eingefügt wird.
Der verfolgte Ansatz kombiniert das Beste aus beiden Welten, nämlich die Denkfähigkeit eines LLMs mit der Präzision rein programmgesteuerter und nachvollziehbarer Änderungen.
Der Anwalt sollte dennoch das Ergebnis prüfen, kann sich dabei aber rein auf die mit Änderungsmarkierungen hervorgehobenen Bezugszeichen konzentrieren und braucht keine Angst zu haben, dass das Modell anderweitige verdeckte Änderungen an den Ansprüchen vorgenommen haben könnte.
Patent Tools für Microsoft Word ist eine quelloffene Software unter MIT Lizenz.
Den Quellcode und das aktuelle Release finden Sie auf meiner Github-Seite. Dort rechts auf “Releases” klicken und die neuste Version von PatentTools v0.2.1 herunterladen.
Version 0.2.1 ist bereits funktionsfähig und hinreichend komfortabel. Erfolgreiche Tests wurden u.a. mit gemma4-31b, gpt-oss-120b, qwen3.8-27b und qwen3.5-122b-a10b durchgeführt. Mit Einschränkungen sind auch die kleineren Modelle gemma4-26b-a4b und gemma4-12bnoch zu gebrauchen.
Die Installation erfolgt durch Platzieren der .dotm-Datei im Startup-Verzeichnis für Microsoft Word, wozu keine Administratorrechte erforderlich sind. Eine detailliertere Anleitung befindet sich in der beigefügten README.md.
Auf die Möglichkeit, dem Entwickler als Ausdruck der Dankbarkeit einen Kaffee zu spendieren, sei ausdrücklich hingewiesen.
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